Die grösste mobile Geisterbahn der Welt

DAEMONIUM

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Inhaber Martin Blume
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Dr. Music ist “passionierter” Horrorfilm-Fan, seitdem er seine Mutter im Alter von 13 Jahren davon überzeugt hatte, ihn doch gefällixt in den neuen Dracula Film ins Kino mit zu nehmen. Es lief der “Hammer”-Klassiker “Die Herren des Grafen Dr. Dracula” und auch wenn der Obervampir Christopher Lee im Film gar keine zentrale Rolle spielte - das Horrorfilmvirus war auf ewig implantiert und seitdem hat sich Dr. Music fast jeden Horrorfilm dieser Welt angesehen (und auch nach Veröffentlichung auf VHS oder DVD in seine Sammlung gestellt - ein Hobby muss der Mensch ja schliesslich haben).

Martin Blume ist der Inhaber der Geisterbahn Daemonium und hat die Anlage nach seinem Entwurf bauen lassen

Als ich neulich bei den ersten Aufbauten des Würzburger Frühlingsfestes vorbei fuhr, fiel mir sofort das riesige Gebäude mit dem Schriftzug “Daemonium” auf. Neugierig geworden, schlenderte ich über den Festplatz. Überall wurde noch gehämmert und gebaut und nach einer kurzen Vorstellung hat sich der Inhaber Martin Blume einige Minuten Zeit genommen, mir paar Fragen zu beantworten.


Herr Blume, wie sind Sie denn dazu gekommen, eine Geisterbahn zu betreiben? Sind Sie Horror Fan?

Nein, ich bin Schausteller. Ich bin gebürtiger Steilwand Artist. Ich habe das von Anfang an gemacht. Das Steilwand fahren hat eigentlich den ersten Abschnitt meines Lebens bestimmt. Ich habe mit sieben angefangen und habe das von klein auf gemacht.

Und die Geisterbahn?

Irgendwann vor 20 Jahren bin ich dann in die Sparte Geisterbahn eingetreten. Dann habe ich eine Anlage gekauft, das war zur damaligen Zeit die grösste mobile Geisterbahn der Welt: Die Geisterschlucht. Ich weiss nicht, ob sie die auf dem Oktoberfest kennen, die mit dem riesengrossen King Kong. Die habe ich dann umgebaut in “Die Grüne Hölle” - da gab es zwei King Kong Affen, einen ganz grossen und einen kleinen, die haben sich miteinander unterhalten.

Danach ging es dann los und ich bin jahrelang durch Deutschland gefahren.

Und jetzt sind Sie mit dem Daemonium hier.

Unsere neueste Kreation ist das Daemonium und das ist jetzt wieder die grösste mobile Geisterbahn der Welt und das ist jetzt nicht so ein üblicher Pressespruch, der dahin gesagt wird. Klappern gehört ja zum Handwerk sagt man ja (passt auch zu einer Geisterbahn mit ihren Skeletten - Anm. d. Verf.)

Wer konstruiert so eine Geisterbahn?
Diese Geisterbahn wie auch fast alle anderen werden von der Firma Mack in Waldkirchen gebaut. Die Firma Mack baut auch die grossen Achterbahnen und Geisterbahnen-Anlagen für alle Freizeitparks. Die Herstellerfirma Mack hat auch ihren eigenen Freizeitpark, den Europapark

Klar, kenne ich, den Europapark in Rust.

Ja, die haben auch diese Anlage gebaut. Das heisst: Die Grundanlage. Die Stahlkonstruktion und die Gondelführungen. Das Outfit haben wir dann selbst gemacht. Das Daemonium selbst haben wir dann mit Zulieferfirmen nach meinen Ideen gebaut. Das Daemonium ist eine der wenigen grossen Attraktionen, die es gab in den letzten Jahren. Aufgrund der Wirtschaftskrise wurden fast keine grossen Anlagen mehr gebaut.

Sie sind das erste Mal hier in Würzburg?

Ich freue mich, dass wir nach Würzburg kommen, denn die Stadt Würzburg hat für mich einen historischen Hintergrund. 1982 habe ich hier als Selbständiger das Reisen begonnen. Als Schausteller tritt man irgendwann raus aus dem elterlichen Betrieb und ich habe hier als überregionaler reisender Schausteller begonnen - ausserdem hat Würzburg für mich auch eine persönliche Beziehung, denn ich habe hier auch jemanden kennen gelernt, und aus dieser Beziehung entstammt ein gemeinsames Kind.

Dann freut es Sie natürlich, hier zu sein.

Mich hat es immer wieder gereizt, nach Würzburg zu kommen, aber wenn das Kiliani im Sommer kommt, sind wir immer ausgebucht mit unserem Daemonium von anderen Veranstaltungen, die von der Reiseroute einfach besser hinein in die Planung passen. Jahrelang habe ich gesagt, ich möchte nach Würzburg und jetzt hat es sich angeboten von uns aus und von der Seite des Veranstalters.

Sind Sie guter Dinge bei Ihrem ersten Stopp in Würzburg?

Wir hoffen nur, dass das Wetter besser wird ab Samstag. Dass es nicht regnet und auch nicht zu kalt wird. Wenn es nämlich zu kalt wird, dann werden die Leute bei den Fahrattraktionen durch die Luft gewedelt - das ist nicht so schön für die Besucher.

Wieviel Technik steckt dahinter beim Daemonium?
Das ist ein dehnbarer Begriff. Wir fangen mal an, dass 15 Schwertransporter benötigt werden, um die Anlage zu verpacken. Wir haben zwei grosse Kranwagen. Innerhalb einer Woche bauen wir die Bahn mit einem Personal von 15 Mann auf. Die Geisterbahn fährt auf 4 Ebenen - der Kunde bekommt 4 Etagen Geisterbahn. Es gibt zusammenhängende drehbare Gondeln. Die Bahn fährt langsam an zahlreichen Effekten vorbei. Wir bieten elektronisch gesteuerte Effekte, Geister und Illusionen.
Sind die 15 Mann, die aufbauen, auch das Personal beim Betrieb?
Nein, es sind natürlich auch einige Aushilfen dabei, aber was ich noch sagen möchte: Wir arbeiten auch mit Live Akteuren. Das sind echte Akteure, die sich verkleiden und die dann ihr Unwesen in der Geisterbahn treiben. Die gehen aber auch gezielt auf die Altersklasse zu, wenn kleine Kinder fahren, die werden dann nicht so erschreckt. Die Live Akteure kommen aber überwiegend in den Abendstunden zum Einsatz. Es gibt Licht, Luft, Wasser. Alle Dimensionen, die man sich so vorstellen kann, gibt es hier zu erleben. Wir haben keine Kosten gescheut. Unser Winterquartier ist in Norddeutschland.
Wo denn?

In Niemburg bei Hannover. Bis wir hier mal in Aktion treten können, kostet uns das schon runde 20.000 Euro, die wir vor dem Start investieren müssen.

Gibt es einen Trend, nach dem Sie Ihre Geisterbahn ausrichten?

Wir lehnen uns immer an die aktuellen Filmtrends an oder an Videospiele und für was sich die Kids sonst noch interessieren. Wir sind ständig am schauen, was aktuell ist.

Machen Sie das selbst?

Das mache ich selbst, ich befrage aber auch Kinder, was denen gefällt. Das ist eine Sache, bei der man ständig am Ball bleiben muss. Man muss den Zeitgeist treffen und wir haben uns jetzt eines Themas angenommen, bei dem es keine Gewaltverherrlichung gibt. Man fährt an vielen Effekten vorbei, es gibt viel Action, aber halt keine Gewaltverherrlichung. Ich will keine Gruselbahn, bei der die Kinder dann verstört rauskommen oder die Mütter sagen “Jetzt hat mein Kind ein nachhaltig beeindruckendes negatives Erlebnis gehabt”. Das ist nicht unser Ziel. Es gibt auf 4 Ebenen viel Grusel, aber keine blutrünstige Darstellungen. Hier fahren viele Kinder - wir sind ein Volksfest und das Schocken überlasse ich RTL, wenn die ab 20:15 Uhr loslegen. Da gibt es genug ekelhafte Sachen.

Man kann sich auch Gruseln ohne Tonnen von Blut zu vergiessen.

Richtig, das ist unser Ziel, das wir anstreben.

Mädchen Tschika passt auf, dass kein Geist unerlaubt abhaut

Ein Mitarbeiter hat gesagt, sie sind nur mal kurz einige Figuren holen?
Ja, da gibt es noch eine Elektronikfirma in Waldbüttelsbrunn. Die haben einige Halloween-Effekte. Dort gibt es verschiedene Sachen, die man einkaufen kann. Da war ich vorhin, um einige Dekorationen zu holen und nachher muss ich dort auch gleich wieder hin.
Wie sieht es denn mit den Sicherheitsvorkehrungen aus? Da gibt es bestimmt nicht wenige und was gibt es denn da zu beachten?
Wir werden vom TÜV geprüft. Einmal im Jahr wird die Anlage grundsätzlich abgenommen. Das ist eine umfangreiche Prüfung, bei die Technik bis ins kleinste Detail gecheckt wird. Dann haben wir - alle 14 Tage, wenn die Volksfeste wechseln - noch eine Zwischenprüfung. Da kommt das Bauamt in Verbindung mit einem TÜV-Beamten. Da wird noch einmal nachkontrolliert, ob die Anlage ordnungsgemäss aufgestellt worden ist. Diese Prüfung halte ich - das ist aber meine subjektive Meinung - für rausgeschmissenes Geld, weil die Schausteller in Deutschland bekannt sind für ihre Sorgfältigkeit und es gibt fast gar keine Zwischenfälle auf Volksfesten.
Sagt wer?
Schauen Sie mal: Die Volksfeste in Deutschland stehen mit 180 Millionen Besuchern an allererster Stelle überhaupt - in Deutschland und europaweit gesehen auch. Wir haben hier Fussballspiele der ersten Bundesliga, die kommen jährlich auf 16 Millionen Besucher. Wir stehen an vorderster Stelle vor Kinos und vor Theatern und wenn man den ganzen Rest zusammen zählt, kommen die auch nicht auf die Zahl von 180 Millionen. Die deutschen Schausteller sind bekannt für ihre Sorgfältigkeit und Akuratesse, da führen wir europaweit - vielleicht sogar weltweit. Von den Schaustellern weiss jeder, wie gut er was tut und wie er sein Geschäft zu verantworten hat. Natürlich gibt es immer wieder mal menschliches Versagen, wie man es von U-Bahnen oder öffentlichen Verkehrsmitteln kennt - aber in den letzten 10 Jahren ist mir nicht ein einziger Todesfall oder grösserer Zwischenfall bekannt.

Mit diesem Gefährt geht es hinein ins Gruselglück

Sie sind Musikfan. Was für Musik hören Sie privat?
Musik ist eines meiner wichtigsten Dinge im Leben. Mein Hobby. Ich habe ein sehr breites Spektrum - ich höre manchmal klassische Musik. Mein Hauptgebiet sind aber Swing und Soul, ich höre auch sehr gerne deutschen Schlager, wenn er gut ist, aber ich bin absoluter Feind von Tekkno oder House und dieser sinnlosen Musik (lacht und sagt dabei: “Bum Bum Bum”).
Können Sie sich noch an Ihre erste gekaufte Schallplatte erinnern?

(Überlegt lange - Krisenfrage) Oh je, das weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur, dass wir als Kinder verrückt waren nach Schallplatten, als das damals losging im Jahre 1947. Das war eine Revolution zu meiner Jugendzeit. Die Diskotheken starteten, da ging alles so richtig los mit der Musik.

Gibt es irgendwelche Anekdoten bezüglich der Geisterbahn?

Wir werden in unserem Gewerbe ständig mit Überraschungen konfrontiert. Es sind immer andere Mentalitäten. Es kommt darauf an, ob Du in Bayern oder im im Rheinland bist, es fängt schon damit an, wie freundlich oder wie unfreundlich die Leute sind. Normaler Weise geht es relativ friedlich zu, aber es gibt halt immer wieder mal einige Betrunkene, die dann ins “Blutbecken”, in dem die Körperteile herum schwimmen, pinkeln. Die Schwaben sind bekannt dafür, dass sie - wenn sie alkoholisiert sind - schon mal über die Strenge schlagen.
Ist schon mal jemand in der Geisterbahn ausgestiegen?

Das ist bei uns nicht möglich. Die Gondeln haben Bügel, da kann man während der Fahrt nicht aussteigen. Es kommt ab und zu mal vor, dass Randalöre mitfahren. Die machen dann gezielt unseren Live Akteuren zu schaffen. Da wurde schon mal einem unserer Live Akteure Bier aus einer Büchse übergegossen. Einmal kam einer rausgefahren aus der Geisterbahn, der hatte sogar ein Skelett im Arm. Aber in der Regel läuft alles friedlich ab
Wunderbar. Dann wünsche ich Ihnen gute Geschäfte

Dankeschön. Von welchem Pressemedium waren Sie jetzt noch einmal?
Musikverrueckt.

Ah! Musikverrueckt.
Da lacht Dr. Music's gruselige Seele

Natürlich können Besucher auch Bilder mitnehmen für die Ewigkeit - ein Foto kostet 4 Euro

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